Episode 21: Islam und Judenhass

Vor 75 Jahren bildeten die Nationalsozialisten mit den Novemberpogromen 1938 den Auftakt des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte, der systematischen Judenvernichtung in Europa. Während die Nazis von den Alliierten vernichtend geschlagen wurden, hat die Aufklärung Antisemitismus und Judenfeindlichkeit immer noch nicht bezwingen können.

Die große Mehrheit der österreichischen Bevölkerung hegt keinerlei Ressentiments gegenüber Juden und Jüdinnen, antisemitische Vorurteile stellen bei jungen Menschen heutzutage ein geächtetes Randphänomen dar. Doch nach wie vor gibt es neonazistische Bewegungen. Während die mediale Berichterstattung sich vorwiegend auf den Antisemitismus konzentriert, der von diesen Gruppierungen ausgeht, wird häufig übersehen, welch gefährliches judenfeindliches Potenzial der politische Islam in sich birgt.

In arabischen Fernsehsendungen werden Juden als Affen, Schweine und Kindermörder dargestellt. Über Satelliten-TV, das Internet und islamistische Organisationen wird judenfeindliche Propaganda wieder nach Europa transportiert und hierzulande von jungen Muslimen aufgenommen.

Nach einer Studie der Universität Bielefeld unter der Leitung von Wilhelm Heitmeyer stimmt jeder 5. arabische Jugendliche in Deutschland der Aussage zu „in meiner Religion sind es die Juden, die die Welt in Unheil treiben”. Mehr als ein drittel der arabisch-stämmigen Jugendlichen glaubt „Juden haben in der Welt zu viel Einfluss”.

Islam und Judenhass, das ist unser heutiges Thema. Wir möchten ergründen, auf welche Ursprünge sich die Judenfeindlichkeit im Islam zurückführen lässt, welche politischen Akteure die Judenfeindlichkeit in der Vergangenheit und Gegenwart forcieren, und welche Auswirkungen dies auf Juden in Nahost sowie in Europa hat.

Gäste

Raimund Fastenbauer
Der Judaist und Politikwissenschaftler ist Generalsekretär des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich und Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Dazu ist er seit Jahren gegen alte und neue Formen des Antisemitismus und der Hetze gegen Israel aktiv.

Stephan Grigat
Er ist Politikwissenschaftler und Publizist und als Lehrbeauftragter am Institut für Judaistik, am Institut für Politikwissenschaft und am Institut für Philosophie der Universität Wien tätig. Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind unter anderem die Geschichte linker Bewegungen, Antisemitismus, der Nahostkonflikt und der Iran.

Michael Ley
Der Soziologe und Politologe ist als freischaffender Wissenschaftler und Universitätsdozent tätig. In seinen zahlreichen Publikationen hat er sich unter anderem mit politischen Religionen, Antisemitismus und der politischen Radikalisierung des Islam beschäftigt.

Amer Albayati
Der Journalist und Islamexperte stammt aus dem Irak und befasst sich schwerpunktmäßig mit Islamfragen und arabischer Politik. Zudem ist er Mitbegründer und Pressesprecher der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) sowie der beantragten Islamischen-Europäischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IEGÖ)

 

4 Comments

  1. Sara says:

    Interessantes u selten behandeltes Thema.
    Ich fand es allerdings ein bisschen kompliziert aufgerollt, zuerst die Begriffsdefinition u dann der Versuch die Thematik historisch zu beleuchten gelang nicht so ganz. Für jemanden wie mich, der kein Vorwissen zu dem Thema hat, war es schwer zu folgen. Zumindest ich musste mir die Sendung einige Male ansehen. Es waren aber natürlich durchaus interessante Passagen dabei.
    Ich finde es auch nicht besonders hilfreich Verse aus dem Koran zu zitieren, weil man eben auch gegenteilige Verse findet.
    Am nervigsten fand ich die beiden Politologen, die sich auf ihrer “Hirnwix-Ebene” breit austobten. Obschon sie sicherlich die besten Redner waren, aber die “streiten” sich auf einer Ebene, mit der ich ohne Basiswissen wenig anfangen kann. Der jüdische Vertreter kam viel zu wenig dran u ich fand es schade, dass der muslimische Vertreter seine Seite nicht wirklich gut darstellen konnte. Es ist leider nicht sehr glaubwürdig, wenn er seine persönlichen Erfahrungen (gute Nachbarschaft mit den Juden) für repräsentativ hält.
    Was die Moderation betrifft, hat man gemerkt, dass der Moderator inhaltlich gut vorbereitet war u intellektuell sicher auf der Höhe ist, nur das Sprechen müsste er noch üben. Außerdem fand ich, dass er die Zügel anfangs zu straff gespannt hatte, er hat die Gäste zu schnell unterbrochen, obwohl die eh beim Punkt waren. Was er gut kann ist, das Gesagte noch mal zusammen zu fassen u so dem Ganzen Struktur zu geben. Generell hatte ich den Eindruck, dass er sich zu sehr in den Vordergrund gespielt hat, zuviel “mitgeredet” hat. Die Moderation soll doch vor allem die Gäste miteinander diskutieren lassen.
    Schade fand ich, dass die beiden Politologen bei dem Kritikpunkt am Multkulturalismus nicht weiter reden konnten. Schon klar, es war schon ziemlich am Ende der Sendung, dennoch wäre das noch ungemein interessant gewesen.
    Also, als jemand, der wie gesagt mit der Materie nicht vertraut ist, würde ich nicht sagen, dass ich durch die Sendung jetzt eine gute Grund-Ahnung bekommen habe. Ist wohl eher für Leute, die sich bereits damit beschäftigt haben.
    Ihr hattet schon bessere Sendungen, allerdings auch schon schlechtere. Und das Thema war sicher ein sehr Schwieriges und Komplexes. Und da neigt man wohl dazu, “zu viel reinpacken zu wollen”.
    Trotzdem wie immer ein interessantes Produkt aus eurer Werkstatt. :-)
    Macht auf jeden Fall weiter!
    LG Sara

  2. Beni says:

    Hallo ihr Lichtbringer!
    Da seid ihr ja wieder mit neuem Moderatorenzuwachs! Also, ich fand die Sendung echt nicht schlecht. Man merkt, ihr hattet euch was überlegt und versucht das Thema quer abzudecken. Inhaltlich waren ein paar sehr interessante Passagen dabei, vor allem Stephan Grigat fand ich sehr gut. Auch den Diskurs, den er mit Ley hatte, ich fand nicht, dass die beiden “hirngewixt” hätten, genau genommen fand ich die beiden am interessantesten. Dem Herrn Albayati konnte ich schon in der Saudi-Arabien-Sendung schwer folgen. Vielleicht liegt es an seinen Deutsch-Kenntnissen, vielleicht aber auch daran, dass er oft den Punkt verfehlt u nicht gut strukturiert wiedergeben kann. Ich finde jedenfalls, das war ein redlicher Versuch das Thema seriös zu behandeln.
    Euer neuer Moderator hat sich im Laufe der Sendung ganz gut erfangen, am Anfang dachte ich, ojeh, was wird das denn? Aber ich finde, da sieht man wieder einmal, dass es nicht so leicht u nicht so selbstverständlich ist, das ganze souverän u flüssig über die Bühne zu bringen.
    Habe auch die Kommentare auf Youtube gelesen. Lasst euch nicht runterziehen von diesen besserwisserischen Nörglern! Die kriegen selbst nichts auf die Reihe u haben keine Ahnung!
    Ihr habt immer ausgezeichnete Gäste dabei. Dass es schwierig ist, die gesamte Runde mit ausgezeichneten Gästen zu füllen, ist auch klar, vor allem für so ein Low-Budget-Projekt wie eures!
    Freue mich schon auf das neue Jahr mit vielen spannenden Sendungen!
    LG von
    Beni

  3. Anja says:

    Habe soeben eure ursprünglich zensurierte Sendung gesehen.

    Also ich denke es ging darum, dass der einzige Muslim in der Runde Beispiele aus der gelebten Realität nennt, von denen der Rest der anwesenden kein Faktenwissen hat. Der Wissenschaftler hat davon keine Ahnung, die auf Untersuchungen beruht, weil er dazu keine Untersuchungen macht und sie auch nicht existieren über die islamischen Institutionen in Österreich und die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Staat und den Parteien!
    Allerdings weiss ich auch von einem muslimischen Freund, dass vorallem aufgrund des Sprachproblems viele nicht in türkisch, arabisch bewanderten Menschen, Politiker, Sozialarbeiter keine Ahnung haben mit wem sie kooperieren, sie sind schlicht unwissend und naiv, und nur die Migranten selber können darauf hinweisen, dass die grauen Wölfe durch die Staaten und ihre Institutionsgründungshilfen gefördert wurden, das ist ein Beispiel in Berlin.

    Die Anwesenden haben keine Ahnung, was in der Mosschee gesagt wird und namentlich genannte Prediger sagt. Eine Klage wäre doch hochinteressan, würde aber doch gar nicht zustande kommen, weil die Moslimbrüder auch einiges zu verlieren haben. Die Aussage, dass der Österreichsche Staat, dieer Christian blabla Leute zu repräsentanten ernennen, die keinen demokratischen Rückhaöt haben, ist doch ein in vielen Ländern bekanntes, besprochenes Argument. Wir westlichen Menschen kennen uns ja mit Demokratie aus und es ist für uns ja sonnenklar, Volksvertreter müssen minimal gewählt werden, das passiert natürlich bei den Lobbyvereinen nicht. Ich finde es in der Sache völlig überzogen, den liberalen Muslim mundtod zu machen, weil er Verantwortliche nennt. Eure Sendung will zum Umdenken auffodern, wenn man nicht auch mal über verantwortliche diskutueren darf, kann man nichts ändern!!! Auf jeden Fall ist die Kritik schon lange mindestens auch in NL, BRD, bestimmt auch in FR ach in allen Ländern mit starken muslimischen Organisationen bekannt. Und der Mann nennet überrüfbare Fakten, eurer Iraker, er sagt, dass die Leute keine rechtlichen Organisationen sind. Ich hätte es besonders traurig gefunden, wenn eure Indendantin, die wahrscheinlich auch keine tiefergehende Ahnung von den Strömungen in Wien hat, die Meinungsvielfalt in dieser eher nicht öffentlich breit dargestellten Gruppe sofort mundtot gemacht hätte. Gut, dass die Sendung noch ausgestrahlt wurde.

    Was mir auffiel, jetzt als professionelle Zuschauerin und nicht als Privatmensch, der unterhalten werden will (ich fands schon interessant, weil neue Fakten für mich):
    Ich finde kritikfähig, dass die Diskussion von vier nicht-Muslims geführt werden und nur ein Muslim da war. Da bekommt man keinen Eindruck, ob euer Iraker repräsenatitiv ist und es gab zu wenig Leute, die auch sein Wissen kennen. Die Wissenschaftler gingen mir ein bisschen auf den Wecker, Ich persönlich finde es ziemlich mainstream, langweilig bis ein klein bisschen naiv, die Studie mit den 5 Jugendlichen als Aufhänger zu nehmen ohne ein kritisches Wort zu sagen: Das ist keine Wahrheit oder ihr habt jetzt die gesamte Empiriekritik widerlegt, den Wissenschaftsstreit gelöst, Adorno zum teufel gejagt und seine freunde. Die Empirie kann man nicht als einziges Fakt benutzen: Das weiss die Wissenschaft schon sehr lange, die Politik und der Journalismus hingegen finden es immer moderner (effizient, überzeugend) sie zu benutzen, sich ihrer in der kommunikation bedienen.

    Die Wissenschaftler gehen mir auf den Wecker, weil sie genügend Geld haben, um schwierige Meinungen zu erarbeiten (ohne sich dieses Privilegs überhaupt noch bewusst zu sein), in Sicherheit vor Anfeindungen sind und ihre Meinung seltens vor den wirklich betroffenen rechtfertigen und überprüfen müssen. Sie können auf falsche Schlüsse ziehen ohne dass das irgendjemand merkt, weil die Details sowieso nur Leute kennen, die niemals auf die Wissenschaftler treffen. Dieser Iraker ist ein zehnmal mutigerer Mensch als der Wissenschaftler und in der Sendung kommt er beinah ein bisschen unseriöser rüber, weil er gegen mögliche Anfeindungen sich mutig Luft verschaft. Er ist von dem was er sagt, persönlich betroffen, der Wissenschaftler kann seinen Job kündigen und muss nichts mehr damit zutun haben, weil er in der Realität nicht teil der authentischen Praxis ist, sobald er aufhört zu arbeiten.

    Was für mich etwas überraschend und meiner Meinung nach leider ungewollt-ungeschickt war: Wie euer Moderator diese bemerkung am Rand zum Rassismus aufgenommen hat: Zuwanderer sind fundamentalisten. Das ist eine radikale, verletzende Bemerkung, die ich finde, in euerer differenzierten Diskussion nichts zu suchen haben, wenn sie vom Moderator wiederholt werden und dann zum in der Runde anerkannten Fakt erhoben werden: da hat sich euer Kollege mit der Zusammenfassung vergaloppiert, wenn man jedes gesprochene Wort auf die Goldwaage legt. Schade, dass die Milliopnen zuwanderer nicht klagen können, die bei einer generalisierenden Aussage im öffentlichen Ferhsehen diffamiert werden. Aber jetzt nicht erschrecken: Das ist eine aus dem Kontext gerissene Aussage zu der Moderation, die ansonsten herüberkommt, dass sie neutral eine Diskussion leiten möchte und auch übergreifende Positionen zusammenfassen möchte. Und das ist natürlich auch schwer für den Moderator zu reagieren, diese blöde multilkultikritik zu händeln: der typ kommt damit dass er behauptet zu interpretieren, dass er modern ist, weil er das jetzt kritisiert. Das ist eine Behauptung, modern ist das sicher nicht, eine bestehende politik in der ganz viele Leute hart arbeiten und sich nicht bereichern, schwarz-weiss als gescheitert abzutun: es ist purer bestimmt nicht moderner populismus zu beahupten wir könnten multilkulti einfach wieder stoppen, das ist so wie die EU aus der man nich austreten kann.
    Ausserdem hat hier euer Moderator auch nicht den O-Ton gehört: Der judische Vertrerter hat sofort auch vorsichtig interveniert, dass eine Generalisierung über Zuwanderer Unsinn bis nicht hilfreich ist, euer Moderator hat das glaube ich komplett überhört, weil eben kurz unemontional angerissen. Und ich spreche jetzt auch als Betroffene 90% der vielleicht 200 Flüchtlingsschüler die ich hatte waren Muslims und ihnen ist nicht gedient, wenn es noch mehr Stereotypen über sie gibt und ihr Fundamentalismus ein Problem darstellt.

    Zuletzt noch ein Wort zu dem jüdsichen Verteter: Der mann sitzt da, um Politik zu machen: Das war eine ganz bewußte thematisierung von Malmö, so wie der Iraker das gemacht hat mit der Mosche und den verantwortlichen Österreischen politiker, allein mit dem Unterrschied, er schießt auf die stadtverwaltung von Malmö, eine kleine Stadt, in einem kleinen land, vor dem eure Programmintendanz keine Angst hat,

    Und zuletzt finde ich perönlich diese Sterotypen Formulierungen von dem jüdschen Verterter etwas unangenehm: In Österreich ist es noch ruhig… Die Weltverschwörungsthese bzw. die Globalisierung lassen sich wissenschaftlich ausreichend hart belegen, ansonsten müssen wir sämliche Kulturforschung abschaffen, adorno bücher wieder verbrennen, Länder in denen Muslims sind, lassen sich nicht einfach verallgemeinern… wenn man das nicht glauben will, sollte man keine Wissenschaftler einladen….

    Also alles in allem, finde ich das eure Sendung eine echte Diskussion war, in der viele Leute nicht geschont wurden (Zuwanderer, kritische Wissenschaftler, die Stadtverwaltung von Malmö, die Muslimbrüder, Österreische Politiker, der Iraker selber der einer Internetente aufgesessen sein soll) und es Unsinn ist zu behaupten, dass die Muslimpolitiker oder die östereischen verantwortlichen hier prominent verleumdet wurden. Und wir wissen schon lange aus den modernen neueren Diskussionen, dass die Kritik an Staaten mit Muslimorganisationen umzugehen, absolut ein berechtigtes Argument ist und Österreich eben dieselben Probleme hat wie auch ein Berlin etc. hat mit der demokratischen Zusammenarbeit mit Muslims. Niemand muss bei so einem Weltthema denken, ihr hätte jetzt als erstes etwas gefährliches gemacht und es wäre mir neu, dass es verboten ist Namen zu nenen.
    ich finde gut wie und was ihr macht und auch mutig, engagiert und auch progressiv, deshalb meine kritischen bermerkungen nicht weiter beachten es gibt keine absoluten Wahrheit,,, also auch nicht meine, aber manchmal sind Wahrheiten doch inspirierend…
    LG
    anja

  4. Dennis says:

    Wenn man permanent nur über die jüdischen Opfer rumheult obwohl bei diesem Krieg weit mehr als 44 Millionen anderer Menschen gestorben sind, wen wunderts?

 

Recent Comments

  • DD: Tolle Veranstaltung, aber die Qualität des Streams könntet…
  • Sabina: Liebe Zuseher_innen, Ich danke allen ganz herzlich für das…
  • Ingrid: Ich hab diese letzte sendung auch extrem gut gefunden! Und…
June 2017
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