Episode 25: Frauenbild im Islam — Zwischen Tradition und Emanzipation

Das Bild der muslimischen Frau in der westlichen Welt ist im Allgemeinen das einer unterdrückten und rechtlosen Frau. Diese negative Vorstellung wird durch die weitverbreitete Realität in islamischen Ländern genährt.

Insbesondere in fundamentalistisch islamischen Staaten ist die Situation der Frauen im 21. Jahrhundert nach wie vor katastrophal. Sie darf, wenn überhaupt, nur mit Erlaubnis und unter Aufsicht eines männlichen Familienmitglieds am öffentlichen Leben teilnehmen und ist in allem von der Gunst ihres männlichen Vormundes abhängig. Einseitiges Scheidungsrecht, Zwang zur Verschleierung und zur Ehe und Einschränkungen als eigenständige Rechtspersönlichkeit sind nur einige Beispiele. Kurz gesagt: die Frau in der islamischen Welt genießt wenig bis keine Bürgerrechte.

Was hat nun diese reale Benachteiligung der Frau mit dem Islam zu tun?

Und wie gestaltet sich die Situation für die muslimischen Frauen, die hier in Europa, also in der säkularisierten Welt leben?

Ist eine Emanzipation ohne Abgrenzung zur Religion überhaupt möglich und was kann die Mehrheitsgesellschaft tun, um die Rechte der Frauen zu stärken?
Darüber diskutiert Sabina Grömmer mit …

Saida Keller-Messahli

Saïda Keller-Messahli stammt aus Tunesien und lebt in der Schweiz. Sie ist Gründerin und Präsidentin des “Forums für einen fortschrittlichen Islam” und engagiert sich für Frauenreche, sowie eine humanistische Auslegung des Islam. Mit ihren liberalen Positionen steht sie unter scharfer Kritik von orthodoxen Muslimen.
Lisz Hirn

Die Philosophin und wissenschaftliche Schriftstellerin ist in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig und engagiert sich im interkulturellen Dialog. Zu den Schwerpunkten ihrer wissenschaftlichen bzw. philosophischen Arbeit zählen unter anderem politische Philosophie sowie interkulturelle Ethik.

Hatice Sahin-Ilter

Die gebürtige Kurdin stammt aus Ostanatolien und ist stellvertretende Obfrau für Grüne Minderheiten, sowie Vorstandsmitglied der „Grünen Alternative Josefstadt”. Sie setzt sich für Migration und Vielfalt, sowie für Chancengleichheit ein.

 

8 Comments

  1. Beni says:

    Liebe Leute, schön, wieder was von euch zu hören u schön, dass Sabina wieder einmal moderiert hat. Wie immer angenehm und souverän.
    Das war eine sehr schöne Runde mit klugen, differenzierten und humanistisch eingestellten Frauen.
    Ich finde, es sind einige wichtige kritische Punkte zur Sprache gekommen, wenn auch bei weitem nicht alles, was innerhalb einer Stunde auch nicht möglich ist.
    Für mich kam ein bisschen zu wenig raus, inwiefern die islamischen Quellen sehr wohl dieses Bild zementieren. Das was die Dame aus der Schweiz dazu gemeint hat, war mir ein bisschen zu positiv denn es gibt verdammt viele Suren (u auch Sunnas) die ganz klar die Unterordnung der Frau unter den Mann fordern u begründen. Wie soll man darauf aufbauen, außer man negiert sie völlig? Ich meine, die “Gleichheit vor Gott” sagt ja genau nichts aus bzw hat null Effekt auf das “irdische Dasein”.
    Und sicherlich spielt die Soziale bzw die Bildungsschicht eine große Rolle bei Konservatismen, aber für eine Radikalisierung ist sie auch nicht allein verantwortlich zu machen. Osama Bin Laden war ein Millionärssohn, die Attentäter des 11. September hatten hohe Bildungsabschlüsse. Wenn etwas fehlt, dann ist es humanistische Bildung. Gut, aber euer Hauptfocus war auch auf den konservativen Durchschnitt u nicht auf die Extreme gerichtet. Und da finde ich, war die Diskussion differenziert u kritisch und wirklich sehr informativ.
    Wahrscheinlich werdet ihr Kritik zu den Interviews bekommen, dass die ein zu einseitiges und negatives Bild der jungen Muslime zeichnen. Aber ich fürchte, dass das tatsächlich der Durchschnitt ist, Ich habe auch türkische Bekannte, die mir erzählen, “na klar darf man die Frau schlagen, wenn sie nicht spurt”. Öffentlich würden sie das sicher nicht sagen. Ehrlich gesagt glaube ich, dass die Realität noch schlimmer ist. Und das hat sicher, wie die Damen auch gesagt haben, sehr viel mit der Schicht u der Familie zu tun. Wenn man in einem Umfeld aufwächst, wo grundsätzlich nichts hinterfragt wird u man auch nicht hinterfragen darf, sondern das Gesetz des Vaters gilt…… Wie sollen sie auf die Idee kommen, ihre Leitkultur zu hinterfragen, wenn sie niemand dazu anregt?
    Man muss diese Dinge wirklich auf anständige Art und Weise thematisieren u das habt ihr wieder mal geschafft!
    Danke euch und ganz liebe Grüße
    Beni

  2. Tom says:

    Echt gute sendung!!

    …….zensuriert wurden natürlich nur das zeigen der interviewten ohne “balken”, oder?

    ;-)
    lg tom

  3. Anja says:

    Ihr hattet gute Gastfrauen, die sich alle redlich bemühten, dem Thema differenziert gerecht zu werden.
    Dennoch frage ich mich, ob die Unterdrückung bzw Gewalt gegen Frauen im muslimischen Milieu tatsächlich ein breites Problem darstellt? Die Jugendlichen im Park geben naturgemäß das wieder, was sie in ihrer eigenen Gruppe als “cool” empfinden. Ohne das verharmlosen zu wollen, glaube ich, dass diese “Gruppenaussagen” nicht dem entsprechen, was sie wirklich denken. Geschweige denn, dass sie dann wirklich ihre Freundin zuhause einsperren würden.
    Ich glaube, das wird alles nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird.
    Ich lebe zB nah an Kreuzberg u meine Kiez-Mütter, mit denen ich zu tun habe, sind alles beeindruckende, starke Frauen. Auch meine arabischen u türkischen Bekannten würden niemals so ein Frauenbild favorisieren.
    Beobachtungen sind immer selektiv und auch die Wissenschaft ist selektiv, ansonsten könnte sie gar nicht arbeiten, weil Wissenschaftler als Menschen nur begrenzte Zeit, Gelder, andere Kapazitäten, Sprachkenntnisse haben, um etwas zu untersuchen und weil sie leider keine Maschinen sind und ganz simpel auch Fehler machen oder sogar auch schummeln aus persönlichen Interessen.
    Und ein anderer Teil der Wissenschaft hat sich in Arbeitsteilung darauf spezialisiert, die Probleme der Vereinfachungen aufzuzeigen. Das sind die Kulturrelativisten. Und das sind keine Scharlatane, sondern eben Wissenschaftler.. Aber deshalb hat sich die postmoderne Wissenschaft auch entwickelt, die dringend davon abrät, zu naiv mit Selektionsbeobachtungen umzugehen. Oder anders gesagt, Einseitigkeit und parteiisch sein ist eine Grundeigenschaft des Menschen, von der sich NIEMAND ganz befreien kann,
    Insofern wäre es vielleicht ganz schön gewesen, auch positive Beispiele zu hören bzw zu erwähnen, dass auch im Westen nicht alles Gold ist was glänzt.
    Ich fände einfach mal eine Liste mit aktuellen Forderungen und Problemen zur Verbesserung der Situation von Frauen allgemein wichtig. Ich würde das nicht alles trennen. Gewalt, Zwangsehe etc. auf der einen Seite und Kinderlosigkeit, Krankheit (auch psychische) und Armut von alleinstehenden westlichen Frauen oder Krankheit und Armut von alleinstehenden westlichen Müttern.Die Emanzipationspolitik sollte gerne erweitert werden, aber sie MUSS auch vertieft werden und eine bessere Qualität bekommen. Wisst ihr, dass heute die Realität hier in Berlin ist, dass freie Frauen als Jobcenter-Mitarbeiterinnen, alleinstehende arbeitslose hochgebildete, emanzipierte Frauen unterdrücken und in Billiglohnverhälnisse für Bonusse zu zwingen versuchen und die Frauen nur in Begleitung oft von Männern diese Unterdrückung abwehren können. Diese negativen Beispiele, in denen unser demokratischer Staat, leider immer mehr sich von seiner emanzipatorischen Prägung wieder wegbewegt, werden nach meinem wissen bis jetzt noch vollständig totgeschwiegen. Wir brauchen auch die ökomische Freiheit von Frauen, sonst hilft es gar nichts, emanzipiert zu sein und neue Beziehungsmodelle, statt gar keiner. Und Frauen unterdrücken auch Frauen, das gibt es im Islam, unter Müttern und auch anders sichtbar als moralloses konkurrenzverhalten unter Elitenfrauen.
    Ich ahne, dass ihr viele Einwände hättet und ich hier nur im Sinne der Meinungsvielfalt eben meine Meinung vertrete.
    Aber ich denke, das ist auch der Sinn. es muss eine wirkliche Debatte entstehen bzw sie muss weiter geführt werden.
    Und dazu tragt ihr als wackeres Sendungsteam bei.

  4. Mc Claudia says:

    Liebes Team von “Es werde Licht”,

    seitdem ich weiß, dass es Euch gibt, verpasse ich keine Sendung, und habe mir auch alle bisherigen angeguckt.

    Bei Euch findet man die Diskussionen, vor denen sich andere – öffentlichen wie privaten – Sender offenbar fürchten. *g*

    Eure Debatten sind reich an Differenziertheit und Klarheit im Bereich Religion, Pseudowissenschaft und Aufklärung und suchen hierin ihresgleichen. Sehr angenehm fürs zuhörende Ohr ist auch die Diskussionskultur, da Schreiereien und Nicht-Ausreden-Lassen eher selten sind. Was mir (als religiösen Menschen) ebenfalls positiv auffällt ist, dass trotz der kritischen Themen und Zugänge zumeist der Respekt gewahrt bleibt und „kampfatheistische Verallgemeinerungen“ (wenn ich’s mal so nennen darf), wie z.B. der sehr schmeichelhafte Begriff „Religioten“ (für alle religiösen Menschen) außen vor bleiben.

    Bitte weiter so! Die Welt braucht mehr an Kritik und Aufklärung! Und ich freu mich auf jede neue Sendung.

    Kleines Angebot meinerseits: Falls Ihr mal eine Sendung zum Thema Neuheidentum macht, stell ich mich als Diskussionspartnerin aus dem „Millieu“ gerne zur Verfügung, wenn Ihr wen braucht. ;-)

    Liebe Grüße

    Mc Claudia
    (Claudia Jenik)

  5. Renata says:

    Liebes Sendungs-Team!
    Auch von mir ein herzliches Dankeschön für diese äußerst gelungene und respektvolle Sendung zum Thema!
    Zum einen empfand ich die Gesprächskutlur als sehr angenehm, zum anderen den Inhalt als sehr klar und informativ. Viele wichtige Dinge wurden beim Namen genannt und es wurde versucht, den Problemen aus einer sozialen u humanistischen Haltung heraus auf den Grund zu gehen.
    Abseits von extremistischen Religionsvertern, rechtspopulistischen Hetzern und naiven Multi-Kulti-Tagträumern, die (wie in anderen Talkshows) nur die Sicht auf die Dinge vernebeln und von den eigentlichen Problemen ablenken. Das erlebt man selten in der heutigen TV-Medienlandschaft.
    Eine Runde von klugen Frauen, denen es gelungen ist, kritische Akzente zu setzen und zum Nach- und Weiterdenken anregen.
    Es ist schön zu sehen, dass es noch Sendungsformate gibt, die es wagen derlei heikle Themen differenziert aufzubereiten, und zwar ohne die Problematik zu verharmlosen oder gar zu verleugnen.
    Wir müssen es wagen, die Probleme innerhalb der (vorwiegend türkisch)-muslimischen Subkultur zu benennen, wenn wir diejenigen, die in diesem System unter die Räder geraten, unterstützen wollen.
    Ihre Motivation (Für Menschenrechte) tritt klar zu Tage und diese Art von Gegengwicht ist es, das wir gegen rechte Kräfte wie Strache & Co brauchen.
    Meinen Glückwunsch zur Sendung und ich hoffe auf noch mehr “Frauenthemen” von Ihrer Seite.
    Herzliche Grüße

  6. Saja says:

    Ich fand die Sendung auch großartig! Eine sehr angenehme und souveräne Gesprächsführung und interessante, differenzierte Gäste!
    Es ist unglaublich wichtig, dass derlei Dinge thematisiert werden u dass die Kritik von innermuslimischer Seite kommt und AUCH GEHÖRT WIRD bzw von Frauen, die wirklich wissen wovon sie sprechen.
    Es ist dringend nötig, dass diverse Unterdrückungsmechanismen innerhalb dieser Subkultur im aufklärerischen Sinne benannt und besprochen werden, anstatt ständig alles Negative unter den Teppich zu kehren.
    Wir brauchen viel mehr Sendungen wie diese und ich hoffe, ihr macht so weiter!
    Alles Liebe!

  7. Ingrid says:

    Ich hab diese letzte sendung auch extrem gut gefunden!
    Und vor allem auch die Schweizer moslem frau hochinteressant, ich haette sie gern gefragt wie sie es geschafft hat aus den normen rauszukommen und wie sie uberlebt…
    Lg

  8. Sabina says:

    Liebe Zuseher_innen,
    Ich danke allen ganz herzlich für das ausführliche u überwiegend positive Feedback!
    Es freut uns sehr, wenn unsere Sendungen als interessant und sinnvoll erachtet werden.
    @ Beni: Ich stimme dir zu was die Koran-Kritik betrifft. Die negativen Aspekte sind eher untergegangen, und ich glaube, das lag daran, dass Frau Keller-Messahli in ihrer Familie eine sehr offene und liberale Auslegung des Islam kennengelernt hat. Ihre Grunderfahrung ist sehr positiv und ich denke, wir sehen alle die Welt durch den Filter unserer Grunderfahrungen.
    @Ingrid: Die nachfolgende Sendung ist ein umfassendes Interview mit Saida Keller-Messahli. Du kannst es auf unserem Youtube Channel bereits abrufen.
    http://www.youtube.com/watch?v=9f0Q1OxjctE
    Und @ Mc Claudia: Es freut mich ganz besonders, wenn auch jemand, der sich als religiös empfindet, unsere Arbeit schätzt. Und falls wir uns wirklich mal mit dem “Neuheidentum” auseinandersetzen (bis jetzt haben wir das noch gar nicht getan, muss ich zugeben), dann werden wir uns gerne an dich wenden. :-)
    Herzliche Grüße und bleibt dran!
    Sabina

 

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  • DD: Tolle Veranstaltung, aber die Qualität des Streams könntet…
  • Sabina: Liebe Zuseher_innen, Ich danke allen ganz herzlich für das…
  • Ingrid: Ich hab diese letzte sendung auch extrem gut gefunden! Und…
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