Episode 9: Homosexualität im Christentum

Sendung vom 19.04.2012 auf Okto.
Trailer
Bonusmaterial (Teil 2)

 

Vor Gott sind alle Menschen gleich, heißt es.
Ein näherer Blick auf die christliche Glaubenslehre und auf die meisten anderen religiösen Lehren lässt allerdings an diesem Postulat Zweifel aufkommen. Homosexualität ist im göttlichen Plan nicht vorgesehen. Als Wille des Schöpfers gilt die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe, denn der ursprüngliche Sinn der menschlichen Sexualität wird darin gesehen Nachkommen zu zeugen.

Insofern verstoßen Homosexuelle nach christlicher Moral gegen diese Bestimmung und versündigen sich spätestens in der Auslebung ihrer Orientierung. Einerseits hält der Katechismus der Katholischen Kirche fest, dass homosexuell veranlagten Menschen „mit Achtung, Mitleid und Takt” zu begegnen sei, andererseits bezeichnet er im selben Atemzug sexuelle Akte zwischen Personen des gleichen Geschlechts als „schlimme Abirrung”.

Während in der Evangelischen Kirche A.u.H.B. eingetragene Partnerschaften begrüßt und sogar Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren vorgenommen werden, erscheint die Haltung der Katholischen Kirche hier reichlich paradox. Zwar hat sich die Kirche in Bezug auf Homosexualität ausdrücklich gegen jede Diskriminierung ausgesprochen, gleichzeitig aber ist für sie – so der Pressesprecher des Vatikans – „die Gleichstellung homesexueller Lebensgemeinschaften unannehmbar“.

Liberale Gruppierungen innerhalb der Gläubigen setzen sich für eine Gleichstellung ein und auch im Klerus selbst ist Homosexualität ein Streitpunkt innerhalb der katholischen Kirche. Aber auf welche christlichen Quellen sützt sich diese konservative Haltung überhaupt, was sagt die Moraltheologie,  wie realisitsch ist eine Öffnung der Kirche dem Thema gegenüber und wie lässt sich eigentlich als Betroffener Homosexualität und Glaube vereinbaren?

 

Über all das diskutieren Sabina Grömmer und Jorit D. Posset mit folgenden Gästen:

Gerhard Marschütz, Habilitierter Katholischer Theologe, ist außerordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Systematische Theologie im Fach Theologische Ethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Außerdem ist er Lehrbeauftragter an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschulie Wien/Krems. Forschungsschwerpunkte: Ehe- und Familienforschung (Ethik der Geschlechterbeziehung) , Tierethik und Ethische Probleme am Beginn menschlichen Lebens

Gregor Jansen, Promovierter Katholischer Theologe, Priesterweihe 2002, Jugendseelsorger für das Vikariat Wien-Stadt und für die Jugendkirche Wien. Zuständigkeiten: Liturgisches (Gottesdienste), Theologisches, Inhaltliche Planung, Konzeptarbeit, Adaptierung des Kirchenraumes

Andreas Raschke; DI, Obmann-Stellvertreter der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Glaube Wien (HUG), Mitglied des Presbyteriums (Leitungsgremium) der Evangelisch-Reformierten Pfarrgemeinde H.B. Wien-West, lebt seit 14 Jahren mit seinem Partner zusammen, 2004 wurde die Partnerschaft in der Pfarrgemeinde in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet.

 

7 Comments

  1. Ben says:

    Hei Leute! Ein interessantes Thema und recht anspruchsvolle Gäste wieder mal. Nur schade, dass der HUG-Vertreter so zurückhaltend war, den hätte ich mir kämpferischer vorgestellt, aber vielleicht sind “gute Christen” einfach so. Überhaupt hätte man den Katholiken mehr auf die Zehen steigen können. Ich weiß immer nicht, was das heissen soll: man würdigt sie ja eh, aber eine Gleichstellung soll nicht sein. Wieso ergbeben sich aus Unterschiedlichkeiten automatisch ungleiche Rechte? Andere Paare haben auch keine Kinder oder wollen auch keine (ich zb), soll ich deshalb nicht heiraten dürfen? Nene, da wird herum gefaselt und selbst der Papst hat ja in Wirklichkeit ganz was anderes geagt und gemeint ….Da hat dann ja glücklicherweise die Moderatorin darauf zurück geführt, dass die Haltungen des Vatikans eben in keiner Weise offen und liberal sind.
    Es ist sicher schwierig mit Leuten, die ja auch darin geübt sind “schönzufaseln”, sag ich jetzt mal, aber vielleicht kann euer männlicher Moderatorenteil ;-) das ein bisschen trainieren gezieltere Fragen zu stellen. Er holt oft unnötig aus und redet umständlich herum und entweder man weiss dann selber nicht mehr, was eigentlich der Punkt ist oder der Angesprochene hat dadurch ganz viel Zeit sich eine Rechtfertigung zu überlegen. Die Moderatorin hat den Jugendseelsorger mal ganz kurz gefragt “Wie stehen Sie zu den Haltungen des Papstes” oder so ähnlich und da wusste er erst nicht was er sagen soll, weil er mit der Frage auch nicht gerechnet hat. Und dann hätte man natürlich hartnäckig bleiben müssen, auch wenn er seine persönliche Meinung vor der Kamera wahrscheinlich sowieso nicht sagt.
    Ich finde, die Hauptmoderation macht das alles ganz souverän und wirkt neutral, was sie ja auch sein soll. Aber wenn der Co-Moderator der “Unbequeme” sein soll, dann muss er das schneller und gezielter machen. Und gerade als Moderator sollte man ja den Punkt oder Faden im Auge behalten und nicht selber verlieren.
    Wie gesagt, mehr in die Mangel nehmen. So hatte man ein bisschen den Eindruck, dass die Kirche/n eigentlich eh nicht so schlimm bis okay sind. Eure Gäste sind ja wahrscheinlich auch relativ liberal, aber die Systeme, die sie verteidigen, sind es nicht und das hätte mehr rauskommen können. Und WARUM sie diese Systeme verteidigen ist dann noch mal eine ganz andere Frage, die vielleicht zu weit geführt hätte.
    Aber natürlich rede ich hier leicht, das ist mir schon klar. Alles in allem war es wieder mal interessant und auch wie immer sehr informativ. Ich wusste vieles nicht und ich hätte auch nie gedacht, dass die Katholiken auf der Strasse so offen sind.
    Also um mich nicht falsch zu verstehen: Ich finde eure Sendung klasse! Ganz toll was ihr da auf die Beine stellt. Ich freu mich immer auf die nächste Folge.
    Gottlose Grüße

    • Andi says:

      Hallo Ben,

      sorry, dass wir dir nicht schon eher geantwortet haben. Alle deine Kritikpunkte werden von unserer Redaktion ernst genommen und diskutiert. Das Problem an unserem Format ist bisweilen, dass beide unsere ModeratorInnen einfach zuviel Ehrfurcht vor unseren Gästen haben. Klingt jetzt vielleicht seltsam, aber daran liegt es vor allem, dass wir unseren Gästen in der Diskussion so wenig einheizen. Das ist ein Punkt an dem wir vor dem Start der 3. Staffel im Herbst noch viel Arbeiten müssen. Selbiges gilt natürlich auch für die „Ausschweifungen“ unseres männlichen Moderatorenteils.

  2. Chrissy says:

    Heija! Um ganz ehrlich zu sein fand ich die Diskussion dieses mal etwas langweilig. Ich weiß aber nicht woran das lag. Ich finde nämlich nicht, dass man unbedingt eine Kontroverse drinne haben muss, damit es spannend ist. Es gibt Kontroversen, die sind totenöde, weil nix raus kommt. Und andererseits gibt es Diskurse, wo die Diskutanten gar nicht so weit voneinander entfernt sind und es ist äußerst interessant. Zb eure Jesus-Sendung war so eine.
    Vielleicht waren die Gäste ein bisschen zu unlebendig, vielleicht lag es aber auch daran, dass mir das meiste bereits bekannt war.
    Ich stimme dem obigen Kommentar insofern zu, dass man den Katholiken mehr “auf die Zehen steigen hätte können/müssen”. Was sicher leichter gesagt als getan ist, denn gerade die Prediger sind top-geübt im schönlabern.
    Aber darum bin ich ja auch der Meinung, dass ein Moderator immer ziemlich gut Bescheid wissen muss über das Thema. Und was die gezielten oder direkten Aussagen/Fragen betrifft, sollte mann ;-) vielleicht noch dran arbeiten. Mir geht´s so, dass ich – wenn jemand sehr herumredet und selber den Faden verliert – das Interesse verliere weiter zuzuhören, auf jeden Fall nervt´s. Er könnte vielleicht auch ein bisschen an seiner Sprache feilen. Immerhin ist das ja kein saloppes Jugendmagazin, sondern eine ernsthafte Diskussionssendung. Was nicht heisst, das man keinen Humor reinbringen darf, aber der sprachliche Ausdruck ist nicht unwichtig. Das sind schon Dinge, die man verbessern kann, und wahrscheinlich auch muss, wenn ihr weiter on air bleiben wollt.
    Ansonsten, die Moderatorin wirkt eh recht professionell und apart, das ist recht angenehm in den Männerrunden. Und wo ihr wirklich immer top seid ist die Tonqualität! Sensationell gut, vor allem wenn man danach andere Okto-Sendungen schaut. Überhaupt technisch seid´s echt nicht schlecht. :)
    Am Anfang hat man mal gemerkt, dass dem Moderator sozusagen “das Wort abgeschnitten wurde”, aber sonst kann man nix aussetzen.
    Den Bonusteil hab ich allerdings noch nicht gesehen.
    Alles Gute und LG

    • Andi says:

      Hi Chrissy,
      danke für deine Rückmeldungen, Stellungnahmen siehe Vorposter.
      Ad Tonqualität: Ich bin überrascht, dass du die sensationell gut findest, denn das ist (abgesehen von unserer mangelnden Erfahrung im Moderieren) einer der Bereiche, wo wir ansich am schwächsten sind. Aber wenn man natürlich andere Okto-Sendungen als Maßstab nimmt, dann muss ich dir recht geben (leider wird der Ton der kommenden Sendung im Vergleich zu dieser grauenhaft sein, da wir diesmal nicht im Studio gedreht haben).

  3. Dagmar says:

    Vielen Dank für diese guten Beiträhe! Sie machen Hoffnung auf die Zukunft – auch wenn sie beide Kirchen toleranter zeigen, als es vielerorts der Fall ist. Vielen Dank für den Mut zum Thema, es wird hoffentlich vielen Menschen Mut machen, in der Kirchengemeinde zu bleiben und zu sich und seiner Liebensweise zu stehen!

    Gefehlt hat mir nur die beiden homosexuellen Geschichten aus der Bibel in positivem Zusammenhang: David und Jonathan sowie Ruth und Noemi.

    An alle homosexuell veranlagte Menschen: Wir sind genauso Gottes Schöpfung und genauso geliebt wie wir sind! Gott möchte, dass alle Menschen glücklich sind! Dass alle Menschen in sich und im anderen die Liebe finden und leben, denn das höchste Gebot, ist das Gebot der LIEBE!

    Dass homosexuelle Handlungen verboten oder bestraft werden sollen, wird weder in den 10 Geboten noch von JEsus Christus noch von Gott verlangt!

    Danke und viele Grüße,
    Dagmar

    • Andi says:

      Freut mich, dass dir die Sendung gefallen hat. Es hat auch uns etwas überrascht, dass die große Mehrheit der Katholiken (bei unserer Umfrage vor der Kirche) anscheinend keine Probleme mit homosexuell veranlagten Menschen zu haben scheint.
      Ad Gottes Schöpfung: Als Säkularist und Naturalist kann ich dir da nicht zustimmen. Ob Homo, Hetero, Bi, oder Trans, wir sind alle Variationen, die in der Natur vorkommen, genauso, wie es Menschen mit blondem Haar und heller Haut, sowie krausem Haar und dunkler Haut gibt. Dazu bedarf es keinen Gott, denn dank der Humangenetik verstehen wir mittlerweile sehr gut wie „Schöpfung“ funktioniert. Und ist nicht vielmehr das was Menschen unter „Gottes Wille” verstehen, eine Projektion der menschlichen Vorstellungen und Sehnsüchte? Unsere Vorstellungen von gewissen gesellschaftlichen Normen haben sich dank der Aufklärung und emanzipativen Bewegungen mit Beginn des 19. Jhdts gewandelt. Dass diese Vorstellungen mittlerweile auch offensiv von Theologen vertreten werden, ist natürlich positiv zu bewerten, wenngleich die antimoderne reaktionäre Basis der Kirchenobrigkeit in nächster Zeit kaum ein Einlenken in dieser Thematik erkennen lässt. Selbst Schönborn hat, trotz seines Einlenkens im Falle Stangls, unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass die Kirche ihre Werte und Ansprüche nicht ändern wird.

  4. Andreas says:

    Ich kann mir kaum eine Organisation vorstellen, die hinsichtlich angesichts ihrer historischen Verbrechen und inhuman-reaktionären Weltbildes inkompetenter in ethischen Fragen wäre wie die Katholische Kirche und verstehe nicht wie man solche Leute im 21. Jahrhundert überhaupt noch ein als relevanten Ansprechpartner, noch dazu in der Frage Homosexualität, bietet.

    Und die katholische Kirche sei gegen Diskriminierung? Dass ich nicht lache. Lest doch einfach mal, was die Katholische Kirche konkret sagt, z.B. in einem Schreiben der Glaubenksongregation an US Bischöfe aus dem Jahre 1992 unter Vorsitz von Herrn Ratzinger http://www.ewtn.com/library/curia/cdfhomol.htm :

    Es ist legitim, wenn nicht sogar moralisch geboten, Homosexuelle von der Adoption oder Erziehung von Kindern, vom Lehrberuf, vom Beruf des Sporttrainers und vom Soldatenberuf auszuschließen (“in the placement of children for adoption or foster care, in employment of teachers or athletic coaches, and in military recruitment “)

    Ausgelebte Homosexualität gefährdet das Leben und Wohlergehen vieler Menschen (“practice of homosexuality may seriously threaten the lives and well-being of a large number of people”) was wohl letztlich in die politische Forderung münden dürfte, das Ausleben von Homosexualität zu verbieten. In vielen afrikanischen Staaten, wo die katholische Kirche großen Einfluss hat, ist das ja schon der Fall, dank des segensreichen Einflusses dieser Organisation, der sie ja auch in Deutschland mehr Einfluss wünschen

    Die Rechte Homosexueller dürfen eingeschränkt werden aus analogen Gründen, warum auch eine Beschränkung der Rechte ansteckender Kranker oder geistig Behinderter erlaubt ist (“Thus it is accepted that the state may restrict the exercise of rights, for example, in the case of contagious or mentally ill persons, in order to protect the common good “)

    Angesichts solcher konkreten, für jeden nachlesbaren Äußerungen sind für mich Organisationen wie HUK ähnlich logisch wie eine Arbeitsgruppe “schwarze Ausländer in der NPD”. Man braucht schon eine gehörige Portion politischen Masochismus bzw. Komplettignoranz, um als Schwuler Katholik sein zu können.

    Und lasst euch bitte nicht täuschen dadurch, dass die meisten Katholiken in Deutschland im Laufe ihres Lebens glücklicherweise so sozialisiert wurden, dass sie diesen homophoben Quatsch der Kirche nicht mehr ganz zustimmen bzw. noch nicht mal kennt. In Ländern, wo die katholische Kirche viel mehr Einfluss hat als hier, insb. in vielen Afrikanischen Ländern, sieht die Sache ganz anders aus, da ist es lebensgefährlich Homosexuell zu sein und die Katholische Kirche hat aufgrund ihrer Homophobie daran ganz gehörig mitschuld. Ich kann nur jedem raten der verhindern will dass er durch sein Geld und seine Mitgliedschaft die Bevörderung von Homophobie bewirkt: raus aus dieser Organisation!

 

Recent Comments

  • Marissa: I'm on a course at the moment buy levitra presentations and…
  • Sabina: Vielen Dank an alle für die vielfältige Kritik! :-) Zu di…
  • Ingrid: Ich finde auch, dass die Sendung sehr gut geworden ist. Die…
May 2013
M T W T F S S
« Apr    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031